Die Suche nach der Inneren Ruhe

Hypnotherapie-Selbsthypnose-Muenchen-EricksonViele Menschen, die meine Hilfe aufsuchen, haben Schwierigkeiten, sich körperlich und/oder mental zu entspannen. Sie können nur sehr schwer beeinflussen, worüber sie nachdenken, sodass es ihnen schier unmöglich ist, sich von belastenden Grübelthemen zu distanzieren, wenn die durch bestimmte Themen bewegt oder belastet werden.

Zahlreiche bekannte Entspannungs- und Fokussierungstechniken wie etwa Meditation, Achtsamkeit, Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung zielen darauf ab, willentlich einen ruhigen geistigen und körperlichen Zustand herzustellen. Und es ist eine Bereicherung für die meisten meiner Klienten, zu merken, dass sie ihren inneren Zustand erfolgreich beeinflussen können, ohne zu externen Mitteln zu greifen.

Als ich selbst die ersten Male Selbsthypnose ausprobiert habe, war ich darüber erstaunt, wie einfach und effektiv sie zu einer starken inneren Beruhigung führt und mich in Kontakt mit einem Zustand innerer Ruhe bringt, den ich sehr genieße. Deshalb habe ich vielen meiner Klienten auch genau diese Methode gezeigt und war sehr zufrieden über die positiven Rückmeldungen. Viele erzählen mir, dass ihre Grübelgedanken nachts vor dem Einschlafen deutlich nachlassen, wenn sie vorher die Selbsthypnose anwenden. Andere berichten, dass das Gefühl der Selbstwirksamkeit steigt, weil der Ruhezustand komplett durch die eigenen Handlungen hergestellt wird. Andere sind angenehm überrascht, zu entdecken, dass sie über Ressourcen verfügen, von denen sie vorher nichts geahnt haben, denn man stellt allein durch die eigenen Beobachtungen und das eigene Vorstellungsvermögen die innere Ruhe her.

Ich möchte Ihnen die Methode vorstellen, die auf Betty Erickson (Tochter von Milton Erickson, Begründer der modernen Hypnotherapie) zurückgeht, damit auch Sie erste Erfahrungen damit machen können.

Kurzanleitung

Punkt im Raum fixieren

5 Dinge benennen, die man sieht.

5 Dinge benennen, die man hört.

5 Dinge benennen, die man spürt/fühlt.

4 Dinge benennen, die man sieht.

4 Dinge benennen, die man hört.

4 Dinge benennen, die man spürt/fühlt.

3 Dinge benennen, die man sieht.

3 Dinge benennen, die man hört.

3 Dinge benennen, die man spürt/fühlt.

2 Dinge benennen, die man sieht.

2 Dinge benennen, die man hört.

2 Dinge benennen, die man spürt/fühlt.

1 Dinge benennen, die man sieht.

1 Dinge benennen, die man hört.

1 Dinge benennen, die man spürt/fühlt.

Augen zumachen und die

Schritte 5-4-3-2-1 für einen Ort

der inneren Ruhe wiederholen.

Durchführung der Selbsthypnose

Ausgangsbedingungen für die Selbsthypnose schaffen

Finden Sie einen Ort, z.B. zu Hause, an dem Sie ziemlich sicher für ca. 20 bis 30 Minuten nicht gestört werden. Am allerbesten eignet sich ein Stuhl, besser kein Sessel oder dergleichen, auf dem Sie womöglich einschlafen, sobald Sie sich tief entspannen. Finden Sie eine angenehme Position auf diesem Stuhl. Dann suchen Sie sich einen Punkt im Raum vor Ihnen, auf dem Sie Ihren Blick ruhen lassen können.

Selbsthypnose Teil 1 – Wahrnehmung nach außen

Dann beginnen Sie innerlich zu kommentieren, was Sie sehen. Sie benennen also das, worauf Ihre Augen ruhen und die Dinge, die Sie im peripheren Gesichtsfeld auch erkennen können, z.B. „Ich sehe die Pflanze und… ich sehe den silbernen Blumentopf und… ich sehe die weiße Wand dahinter und…. ich sehe den Schatten unter dem Bild, das da hängt und… ich sehe die unterschiedlichen grünen Schattierungen der Blätter der Pflanze”. Beginnen Sie damit, fünf Dinge zu benennen, die Sie sehen. Danach konzentrieren Sie sich auf das, was Sie hören, z.B. „Ich höre die Geräusche der Heizung und… ich höre meine eigenen Atemzüge und… ich höre die Schritte der Bewohner über mir und… ich höre die Heizung… und sonst höre ich nur die Stille”. Auch hier beginnen Sie mit fünf Dingen, die Sie hören und Sie dürfen ruhig dieselben Dinge wiederholen.

Es ist kein Wettkampf, bei dem es darum geht, so viele Dinge wie möglich zu benennen, sondern es geht darum, die Aufmerksamkeit bewusst auf die verschiedenen Punkte zu richten und sie kurz da zu halten.

Als drittes Element kommt dazu, was Sie spüren und das können Empfindungen im Körper oder taktile Eindrücke um den Körper herum sein. z.B. „Ich spüre den Kontakt zwischen meinen Füßen und dem Boden und… ich spüre, wie meine Waden sich entspannen und… ich spüre, wie ich weiter ein- und ausatme und… ich spüre den weichen Stoff der Armlehnen unter meinen Händen und… ich spüre die leichte Brise vom Fenster auf meinen Wangen“.

Das war die erste und längste Runde. Danach wiederholen Sie das Ganze mit vier Dingen, die Sie sehen, hören, fühlen, dann drei, anschließend zwei, zum Abschluss eins.

Selbsthypnose Teil 2 – Wahrnehmung nach innen

Dann können Sie die Augen schließen und sich vorstellen, dass Sie an einem Ort der Ruhe sind (echt oder fantasiert). Tun Sie nun genau dasselbe, also fünfmal sehen, fünfmal hören, fünfmal spüren. So könnten Sie beispielsweise beginnen: „Ich sehe das ruhige, blaue Meer und… ich sehe leichte, flauschige weiße Wolken am Himmel und… ich sehe ein Segelboot mit roten Segeln in der Ferne und… ich sehe, wie Möwen auf den Felsen landen und… ich sehe meine eigenen Füße am Ende des Liegestuhls…“ usw.

Die meisten Menschen sind spätestens dann, wenn sie die Augen geschlossen halten und bei „eins“ angekommen sind, in einem recht entspannten Zustand, erleben ihren Körper anders, möglicherweise haben sie den angenehmen Eindruck „ganz weg” zu sein.

Dies ist eine von vielen unterschiedlichen Möglichkeiten der Selbsthypnose und möglicherweise einer der einfachsten Wege, sie zu erlernen.

Probieren Sie es aus!

Quellen

Trenkle, Bernhard (2013). Die Löwen-Geschichte. Hypnotisch-metaphorische Kommunikation und Selbsthypnosetraining. Carl-Auer Verlag. Seite 23-29

Seminar B2 bei Frau Birgit Hilse an der Milton Erickson Gesellschaft, München, am 25. Juli 2015